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(Deutsch) Bionik – Beurteilung des Lernens von der Natur für den Raum

Als interdisziplinäres Forschungsfeld fasziniert Bionik auch Gestalter, Architekten und Innenarchitekten. In wieweit nutzen aber Innenarchitekten im Speziellen dieses Potenzial für Ideen?

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, sich der Begrifflichkeit anzunähern, aktuelle Trends zu filtern und innovative Aspekte für Raumszenarien im Hinblick auf Natur und Lebewesen als Ideengeber zu untersuchen. Welche neuen Wege kann der Gestalter gehen um  den Innovationsprozess und die dafür notwendige Kreativität zu steigern und wie kann er Bionik als Methode zur Ideengenerierung nutzen?

„Wenn Anregungen aus der Natur in bautechnisches oder architektonisches Gestalten einfließen sollen, geht das nicht ohne den Zwischenschritt der Abstraktion“ (Nachtigall, Pohl, 2013, S.1) In der Regel lassen sich Naturprinzipien nicht 1:1 übertragen, sodass Kreativität gefragt ist, um diesen Transfer leisten zu können.

Ein weiterer Punkt, der die Schwierigkeiten einer Übertragung vom natürlichen Vorbild in die technische Anwendung bestimmt, liegt in der Möglichkeit, Teilaspekte aus dem gesamten betrachteten biologischen System zu extrahieren, zu isolieren und auf technische Systeme zu übertragen. Untersucht man weiterführende technische Aspekte (Klima, Statik, Licht, Tarnung, Aerodynamik, Lotuseffekt, Diatomeen-Phänomene, Befestigungen u.a.) in Hinsicht auf Gestaltungsanwendungen ergeben sich spannende Prozesse.

In der neuen Richtlinie 6226, Bionik – Architektur, Ingenieurbau, Industriedesign – Grundlagen von 2015 werden bionische Methoden dargestellt, die für die Entwicklung und die Gestaltung von Architektur, Ingenieurbauten und Produkten eingesetzt werden können. Neben der Methode des Biology Push (Bottom-up-Prozess – für ein Phänomen aus der Natur wird eine Anwendung in der Technik gesucht) oder Technology Pull (Top-down-Prozess – für ein technisches Problem wird nach Lösungen in der Natur gesucht) wird das Arbeiten mit einem Pool aus biologischen Anwendungs- und bionischen Übertragungsmöglichkeiten zur Lösung technischer Fragestellungen erweitert. (VDI, 2015, S.12)

Inwieweit kann man das Phänomen der Inspiration durch Beobachtung und Untersuchung der Natur und der dadurch ausgelösten Entwicklung auch visionärer und innovativer Ideen begrifflich definieren und sich einer Systematik darin annähern?

Ist die Methodik der Bionik und im Speziellen die der Bau-Bionik für Innenarchitekturstudierende eine lohnende Technik und Wissensfeld und sollte sie Bestandteil der Ausbildung an der Hochschule Hannover sein? Dafür untersuchen wir u.a., ob und wie sich bereits andere Hochschulen mit diesem speziellen Thema auseinandersetzen und in wieweit Verbände und Organisationen dieses Feld bedienen und unterstützen.

Im ersten Schritt führten wir im Sommersemester 2016 einen experimentellen Entwurf „Biologie + Raum“ im Studiengang Innenarchitektur durch.  17 StudentInnen (4. – 8. Sem.) beschäftigten sich mit der Fragestellung, welche raumbildenden Prozesse und Systeme die Natur für die Innenarchitektur bereithält.  Die Studierenden hatten die ersten Wochen des Semesters Zeit ihr Projektthema zu finden und eine Frage zur Untersuchung zu formulieren. Parallel fanden Workshops, Exkursionen und die Auseinandersetzung wissenschaftlicher Texte statt. Einen hohen Stellenwert nahm das experimentelle Arbeiten ein. Im Ergebnis sollte eine Übertragung von der Natur auf den Raum erkennbar sein und das Experiment eine grundlegende Realisierbarkeit der Idee beweisen. In einer ansprechenden Ausstellung wurden abschließend die Ergebnisse anschaulich präsentiert und in einem Report zusammengefasst (mehr dazu hier).

Prof. Suzanne Koechert, Lena de Grandis, V.-Prof. André Nakonz

workshop-bionikkofferExperimentieren mit dem Bionikkoffer

ausstellung

Blick in die Ausstellung

 

Quellen:

Nachtigall, W.; Pohl, G.: Bau-Bionik Natur, Analogien, Technik, 2.neu bearbeitete  und erweiterte Auflage, Berlin / Heidelberg 2003/2013

Verein Deutscher Ingenieure: VDI, 6226 Blatt 1, Bionik – Architektur, Ingenieurbau, Industriedesign – Grundlagen, Düsseldorf : Beuth, 2015